Lange Zeit glaubte man, dass unser Gehirn nach der Kindheit keine neuen Nervenzellen mehr bildet. Doch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die Neurogenese, also die Entstehung neuer Neuronen, auch im Erwachsenenalter stattfindet. Besonders im Hippocampus, dem Zentrum für Lernen und Gedächtnis, entstehen neue Nervenzellen, die für kognitive Funktionen und emotionale Stabilität essenziell sind. Aber wie funktioniert Neurogenese genau, und wie können wir diesen Prozess aktiv fördern?
Wie entstehen neue Neuronen?
- Zellteilung und Differenzierung: Im Gehirn gibt es Stammzellen, die sich teilen und zu Nervenzellen heranreifen. Besonders aktiv ist dieser Prozess im Hippocampus.
- Neuronale Migration: Die neuen Neuronen müssen an ihren Bestimmungsort wandern. Sie bewegen sich entlang von Stützstrukturen oder chemischen Signalen, um in bestehende Netzwerke integriert zu werden.
- Synaptische Integration: Damit neue Neuronen effektiv arbeiten können, müssen sie sich mit bestehenden Nervenzellen verknüpfen. Dies geschieht durch die Bildung von Dendriten (Empfangsarme) und Axonen (Signalweiterleitungen). Erfolgreich eingebundene Neuronen werden durch neuronale Aktivität gestärkt.
- Selektion und Erhalt: Nur die Neuronen, die aktiv genutzt werden (z. B. durch Lernen oder Bewegung), überleben langfristig. Nicht genutzte Nervenzellen werden durch einen natürlichen Prozess namens Pruning (Synapsen-Beschneidung) wieder abgebaut.
So kann man die Neurogenese fördern

Faszinierend ist, dass unser Gehirn auch im Erwachsenenalter weiterhin neue Nervenzellen bilden kann. Besonders im Hippocampus bleibt dieser Prozess erhalten und spielt eine wichtige Rolle für kognitive Funktionen und Gedächtnisbildung. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität dabei eine entscheidende Rolle spielt. Regelmäßige Bewegung, insbesondere Ausdauersportarten wie Joggen oder Radfahren, kann das Wachstum neuer Neuronen erheblich steigern. Eine Untersuchung der University of British Columbia ergab, dass Bewegung die Neurogenese fördert und gleichzeitig die kognitive Leistungsfähigkeit verbessert.
Aber nicht nur körperliche Aktivität beeinflusst diesen Prozess. Auch soziale Interaktionen sind entscheidend. Studien haben gezeigt, dass Isolation die Neurogenese reduzieren kann, während soziale Aktivitäten das Wachstum neuer Nervenzellen steigern. Besonders bemerkenswert ist die extreme Neurogenese bei bestimmten Fischarten wie dem Zebrafisch, der in der Lage ist, seine Neuronen zu regenerieren. Forscher untersuchen diesen Mechanismus intensiv, um daraus mögliche Therapieansätze für den Menschen zu entwickeln.
Neben Bewegung und sozialer Interaktion kann die Neurogenese auch durch weitere Faktoren positiv beeinflusst werden. Geistige Herausforderungen, wie das Erlernen neuer Fähigkeiten oder Sprachen, halten das Gehirn flexibel und unterstützen die Integration neuer Neuronen in bestehende Netzwerke. Eine gesunde Ernährung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Polyphenolen können die Gehirnplastizität fördern und die Neurogenese unterstützen. Nicht zu vergessen ist der Schlaf, denn im Tiefschlaf verarbeitet und integriert das Gehirn neu entstandene Nervenzellen. Ein gesunder Schlaf-Wach-Rhythmus ist daher essenziell für die langfristige kognitive Gesundheit.
Neurogenese ist ein faszinierender Prozess, der unser Gehirn bis ins hohe Alter anpassungsfähig hält. Indem wir einen gesunden Lebensstil pflegen, können wir aktiv dazu beitragen, neue Nervenzellen zu bilden und unsere kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern. Wer also sein Gehirn langfristig leistungsfähig halten möchte, sollte sich regelmäßig bewegen, soziale Kontakte pflegen, geistige Herausforderungen suchen, auf eine ausgewogene Ernährung achten und ausreichend schlafen. Unser Gehirn ist anpassungsfähiger als lange gedacht – es liegt in unserer Hand, diesen Mechanismus optimal zu unterstützen.